Die Sache mit dem Respekt


Respekt


In diesem Blog möchte ich mich gerne mit den beiden Hauptkategorien des Lernprozesses beschäftigen. Hier sprechen wir einmal von dem Lernprozess, der von innen her- aus geht ( intrinsisches Lernen). Dann gibt es den Lern- prozess, der von außen kommt ( extrinsisches Lernen). Wenn wir über das Lernen, welches von innen kommt sprechen, meine ich die eigene Motivation Wissen aufzunehmen. Wenn wir über das Lernen, welches von außen kommt sprechen, dann meine ich damit beispielsweise den Prozess Motivation aufzubauen, wie etwa eine bevorstehende Prüfung. Jede Motivation die von außen kommt, basiert auf Druck. Und diese unterscheidet sich von der, bei welcher der freiwillige Wille zum Lernen besteht. Früher wurde den Kindern mit dem Lineal auf die Handrücken geschlagen. Bei den Pferden im Vergleich benutzt man dafür die Peitsche.

Wenn man physische Gewalt und Druck von außen benutzt, kann man bei jedem Lebewesen den Widerstandswillen brechen. Ob bei Mensch oder Tier, das ist völlig egal. Die Empfindungen sind dieselben. Mit den konventionellen Methoden wurden die Pferde gefügig gemacht, sie wurden für den Kriegseinsatz trainiert, den Lastentransport und der Postverteilung. In der heutigen Zeit gehören die Peitschenhiebe für Verstöße gegen die Regeln der Gesellschaft in den meisten zivilisierten Ländern der Vergangenheit an. Beim Militär, Schulen und Gefängnissen werden keine körperlichen Bestrafungen mehr durchgeführt. Und trotzdem können wir eine Peitsche immer noch in den Pferdefachgeschäften kaufen. Bei den Menschen wird es nicht mehr verwendet, bei Pferden aber schon.

Dabei ist es schon längst bewiesen, dass die Peitsche weder beim Menschen noch beim Fluchttier als Disziplinierungsmaßnahme hilfreich ist. So wird aber immer noch gedacht. Bekannte von mir haben ihrer Tochter 2 Mini Ponys gekauft. Weder die Eltern, geschweige denn das Kind, haben noch nie mit Pferden was zu tun gehabt. DiePonys sind jetzt nun mal da für das Kind. Eines Tages ging ich zu ihnen auf den Hof und traf das kleine 9 jährige Mädchen. Sie erzählte mir ganz stolz, dass sie mit der Mama im Pferdegeschäft einkaufen war. „Was hast Du denn tolles für Deine Ponys gekauft?“ sie sagte: „Eine Peitsche“. Im Ersten Moment wußte ich gar nicht was ich sagen sollte. Ich fragte sie warum sie denn ein Peitsche brauche. Sie erwiderte, dass man für Pferde eine Peitsche braucht, um ihnen eine draufzuhauen, wenn sie nicht folgen. Da fiel mir nichts mehr dazu ein. Das bedeutet, das Kind nimmt diese Informationen von den Eltern auf und verfolgt selbstständig diese Idee Gewalt an den Tieren anzuwenden. Nicht dass sie sie schlagen wird, aber es reicht aus die Idee im Kopf eingepflanzt zu haben.

Das bedeutet für mich, dass sie wann auch immer die Bereitschaft dafür hätte, Gewalt auszuüben. Das Kind kann nichts dafür. Es nimmt nur Informationen auf, ohne diese zu verarbeiten. Das kann das Kind doch noch gar nicht, denn sie wird von seinem Umfeld geprägt und auf das Leben vorbereitet. Natürlich habe ich versucht, dass ihr auszureden. Doch viel Einfluß habe ich in dem Moment nicht gehabt, denn ich lebe nicht mit dem Kind. Jegliche Art von schmerzzufügenden Instrumenten sollten endlich der Vergangenheit angehören. Menschen widersetzten sich instinktiv der Gewalt und der Dominanz. Keiner möchte freiwillig Gewalt erleben, oder gar mit einer gewalttätigen Person zusammen sein.


Immer wieder kann man hören, dass in der Reiterwelt gepredigt wird, man müsse dem Pferd Respekt beibringen. Wie sich das schon anhört. Dann wird es meistens mit einer lauten dominanten Stimme gesagt. Die Brust wird nach vorne gedrückt, die Schultern werden zurück genommen und man macht sich noch ein wenig größer um zu wirken und dabei auch noch zu beeindrucken. Nun ja, ich hatte schon immer was gegen die Menschen, die sich selbst erhöhen wollen, indem sie andere erniedrigen und demütigen. Das schließt verbale wie auch körperliche Bestrafung mit ein. Für die jeweiligen Opfer gibt es nur Zwei Möglichkeiten. Die eine ist, sich zu fügen, und zu tun was von einem verlangt wird. Diese Menschen werden sich in sich zurückziehen, sie werden immer schüchtern sein und werden keine Mut haben. Es ist sehr traurig Menschen in solch einem Zustand zu sehen, denn ihnen wird ein normales Leben nicht möglich sein. Andere entwickeln sich aggressiv und tendieren selber zur Gewalt. Man würde ja meinen, dass ein Kind, welches selber Gewalt erlebt hat, diese auch nie im späteren Leben anwenden wird. Das es Gewalt verabscheuen würde. Leider ist es oft nicht der Fall. Sie haben gelernt, dass es eine effektive mentale Waffe ist, andere einzuschüchtern und klein zu halten. Meistens setzten sie das auch bei ihren eigenen Kindern ein. Ich kann das bestätigen, denn mein Vater wurde von seinem Vater viel Unrecht und Gewalt angetan. Das setzte er dann auch bei uns Kindern ein. Er kannte es nicht besser. Wie wir schon in den vorigen Kapitel gelesen habe: Dein Umfeld ist wichtiger als deine DNA. Es formt Dich. Das ganze Problem an der Sache ist folgendes: Dein Umfeld formt und dominiert Dich, nicht Du formst Dein Umfeld.

Jetzt an dieser Stelle beantworte für Dich eine wichtige Frage:

Wer oder was hat momentan die absolute Kontrolle über Dein Leben? Schau mal genau hin und fühle mal in Dich hinein. Bist Du wirklich frei, so wie Du es glaubst? Bist Du wirklich unabhängig von Dingen oder Menschen, so wie Du es glaubst? Oder hast Du tief in Dir den Wunsch endlich die Fesseln zu sprengen?


Mit dem Thema : Respekt & Aggressionen geht es auch in den nächsten Blogs weiter.



Sanja Panea

Pferdeverhaltenstherapeut & Autor


www.horsemanship-sanjapanea.com




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