Teil 1 / Sechs Techniken zur "Gewöhnung" an angstauslösende Objekte für das Pferd



Liebe Leser,


jetzt werden wir uns mal mit dem Thema " Wie lernen Pferde" etwas intensiver beschäftigen.


In dieser 6- er Serie "Gewöhnung" zu trainieren, werde ich jeden Tag eine Neue Methode vorstellen.


WIE LERNEN PFERDE ?

Wenn wir wissen wollen wie Pferd lernen und was in ihnen vorgeht, dann ist es sehr ratsam sich mit der Ethologie der Pferde zu beschäftigen. Die Ethologie ist die Wissenschaft des Tierverhaltens aus der biologischen Perspektive. Je mehr man sich das natürliche Verhalten zu nutze macht, umso mehr integriert man sich in ihre Welt. Es gibt da sehr viel zu beachten und zu lernen, wenn es um die feinste Impulssetzung geht, die benötigt wird, um dem Pferd verständlich zu machen was es tun soll.


Ein Tier wird mit einem speziellen ethologischen Programm geboren, wenn sich sein Umfeld gar nicht verändert, wird das Tier wahrscheinlich immer gleich bleiben. Das Umfeld hat einen unglaublichen Einfluss auf das Lernverhalten und auf die Psyche eines Tieres, dass es nur dadurch zu unglaublichen Ergebnissen führen kann, und es das Tier auch modellieren kann in seinem Verhalten. Beispielsweise ein extrem nervöses Pferd kann durchaus im richtigen und postivem Umfeld, sehr ruhig und entspannt werden. Wiederrum ein nicht so guter Trainer beispielsweise, kann ein ganz ruhiges und entspanntes Pferd völlig nervös machen. Pferde haben vor Dingen Angst, die sie nicht einschätzen können und Dinge die sie nicht in ihrem natürlichen Umfeld kennen.


DIE GEWÖHNUNG AN ANGSTAUSLÖSENDE OBJEKTE

Die Gewöhnung an Dinge die Pferden Angst machen, ist ein sehr wichtiger Aspekt in der Pferdeausbildung. Wir dürfen nie vergessen, dass wir uns auf dem Rücken und in

Anwesenheit von Fluchttieren befinden. Durch die Schnelligkeit der Pferde und die Weiten in freier natürlicher Umgebung, können sie Angst oder etwas was sie erschreckt hat, leichter loswerden, denn sie habe die Möglichkeit sich sofort, egal in welche Richtung weg zu bewegen und das in einem für sie lebensnotwendigen Tempo. Der Körper schaltet um auf Flucht, es ist alles im System nur auf Flucht ausgerichtet, Adrenalin wird ausgeschüttet und das Tier ist zur Höchstleistung bereit. Wenn ich dem Pferd aber die Bewegungsfreiheit nehme und ihn eingrenze, wie zum Beispiel durch Zäune, Boxen, Paddock usw. , dann kann das Pferd als Fluchttier gar nicht so reagieren, wie er es in seinem natürlichen Umfeld etwa tun würde, denn er hat ja nicht die Möglichkeit.

Somit kann das Pferd die Angst nicht durch seine Fluchtdistanz abbauen, sondern er unter- drückt sie. Die Fluchtdistanz beträgt in eine natürlichen Umfeld zwischen 600 und 700 Metern im Renngalopp. Danach wird das Pferd wieder langsamer, vorausgesetzt natürlich, dass er das Raubtier nicht abgehängt hat, es fährt sein System wieder herunter, hat den Stress durch die Bewegung abgebaut und kann somit zur Normalität zurück kehren. Pferde, die in Gefangenschaft beim Menschen leben, können das eben nicht. Durch die Unterdrückung von Stress entstehen Krankheiten. Beim Menschen ist das genauso. Der Mensch lebt in der heutigen Zeit im Dauerstress. Der Körper und die Psyche haben keine Zeit sich zu erholen und das System herunter zu fahren.

Der Körper benötigt aber ein Ventil, um Stress und Angst loszuwerden. Wenn das nicht raus kann, dann richtet es sich eben nach innen. Denn man kommt nicht in die Entspannung. Die Körper der Säugetiere, zu denen wir ja auch zählen, ist nicht für Dauerstress gemacht. Ein Beispiel: Du hast eine Schwiegermutter, die Dir das Leben richtig schwer macht. Seit Jahren hast Du Angst vor ihr, willst ihr alles Recht machen und bemühst Dich ihr alles zur Zufriedenheit zu erledigen. Doch immer wieder schimpft sie über Dich und macht Dich fertig. Über die Zeit entsteht bei Dir ein Muster. Nur ein Gedanke an die Person versetzt Dich in Stress. Das ist ein normaler Vorgang den jeder hat. Früher waren es die Säbelzahntiger, vor denen wir Angst hatten heute ist es beispielsweise eine Person, Situation oder auch Existenzängste, die diesen Stress in uns verursachen können. Ich kann mich noch gut daran erinnern, als ich in meinem Ersten Beruf selbstständig war und nur mit Menschen zu tun hatte und noch dazu einen Job machte, den ich mir nicht selber ausgesucht hatte, sondern die Eltern, war ich ständig krank. Ich hatte von früh bis Abend nur Stress, und das über Jahrzehnte. Ich hatte ständig Magenkoliken. Die Schmerzen waren nicht mehr auszuhalten, sogar Schmerzmittel brachten nichts mehr. Manchmal musste ich mich in der Toilette einsperren, damit ich mich auf dem Boden legen kann, denn der Kreislauf war im Keller und der kalte Schweiß kam auf. Das ging mir jahrelang so, bis ich den Beruf aufgegeben habe, mich aus dem schlechten und negativen Umfeld entfernt habe und alles hinter mir abgebrochen habe, um schließlich aufs Land zu ziehen, ohne viel Kontakt zu Menschen. Als wir dann die Tiere hatten und und hier das Leben aufgebaut hatten, war ich nie mehr wieder krank. Das ist jetzt schon 17 Jahre her. Weder war ich bei einem Arzt noch fühlte ich mich schlecht. Das richtige Umfeld wirkt nicht nur auf uns Menschen, sondern auf alle Lebewesen und Pflanzen. Eine Palme hat nicht die Bedingungen in der Arktis zu wachsen. Sie braucht ein bestimmtes Umfeld um zu gedeihen, und um sich wohlzufühlen. Die Zugvögel ziehen zu einer bestimmten Zeit in Richtung Süden. Die Tierwelt ist voll von solchen Beispielen, wir müssen nur mal genauer hinsehen.

Oft ist es aber auch so, dass die Angst, die wir im Pferd sehen und wahrnehmen, oft auch das Spiegelbild unserer Selbst ist. Oft rufen die Menschen mit ihrer Unsicherheit und ihrer Angst, ebenso dasselbe Gefühl im Pferd hoch. Das überträgt sich automatisch. Das Pferd wird durch die Unsicherheit des Reiters nervös. Es gibt sechs Techniken, um die Gewöhnung zu trainieren.


SECHS TECHNIKEN - GEWÖHNUNG ZU TRAINIEREN

1. Systematische Desensibilisierung 2. Die Konditionierung auf Annäherung 3. Überblendung des Reizes 4. Überschatten des Reizes 5. Gegenkonditionierung 6. Negative Verstärkung

Diese Techniken werden wir uns jetzt näher anschauen. Heute in diesem Blog besprechen wir erst einmal die Systematische Desensibilisierung.

DIE SYSTEMATISCHE DESENSIBILISIERUNG

Bei der systematischen Desensibilisierung geht es darum, dem Pferd zu zeigen, dass es Dir vertrauen kann. Du wirst ihm niemals weh tun, egal was Du auch in der Hand hast. Man be- ginnt mit der Desensibilisierung immer zuerst am Boden mit dem Seil. Viele Pferde reagieren da schon sehr nervös. Bei den Übungen, welche in einer bestimmten Reihenfolge zum Ein- satz kommen, geht es in Erster Linie darum, mit dem Energiefeld des Pferdes zu arbeiten.


Begonnen wird immer mit dem leichtesten Impuls, den ich ausüben kann, um die Reaktion des Tieres zu prüfen. Die Desensibilisierung ist sehr gut geeignet für Pferde die unsicher sind, nervöse Pferde, kopfscheu Pferde, ängstliche Pferde, Pferde mit Gurtzwang, Pferde mit dem Problem die Hufen zu geben, Pferde die sich in den Druck hinein lehnen, Pferde- die sich nicht satteln lassen, beim satteln nicht still stehen bleiben, Pferde die ständig den Kopf hoch halten und Pferde die ständig angespannt sind. (Wie diese einzelnen Übungen und in welcher Reihenfolge genau ausgeführt werden sollen, findest Du alles in meinem Buch „Bodenarbeit - Das Fundament“ genau beschrieben).

Warum soll das gemacht werden?

Das ist der Prozess, indem Du dem Pferd beweisen musst, dass es weder von Dir noch von Deinem Equipment Angst haben muss. Solange das Pferd vor Dir und Deinem Equipment Angst hat, wird sein Focus immer auf die Gefahr ausgerichtet sein. Er wird sich auf seine Angst konzentrieren und nicht auf das zu lernenden.

Das Ziel

Du sollst in der Lage sein, zuerst mit dem Seil in jeder Intensität und mit jedem Utensil den gesamten Körper des Pferdes abzustreifen. Das Seil wird dabei bei einer der Übungen locker über den Rücken des Pferdes geworfen und wieder angezogen. Immer in selben Rhythmus. Das Pferd soll dabei völlig entspannt stehen bleiben, ohne sich Sorgen zu machen, dass ihm was passieren könnte.

Das Zeitfenster

Die meisten Pferde sind bereits in den Ersten Trainingseinheiten ruhig und entspannt mit den Übungen. Spätestens nach 2-3 Tagen sollte Dein Pferd damit schon vertraut sein. Es wird sich entspannen und ruhig stehen bleiben bei den Übungen. Das dauert nicht wochenlang. Hier ist es nur wichtig zu betonen, dass alle Übungen, die ausgeführt werden, von Beiden Seiten des Pferdes gemacht werden müssen. Bei der Ausführung der Übungen musst Du in der Lage sein Deinen Puls und Deine Emotionen zu kontrollieren. Halte Deine Emotionen unten, und erhöhe nur die Energie in Deinem Seil.

Wann immer Du ein Pferd durch ein Objekt desensibilisieren möchtest, ist es wichtig darauf zu achten, dass Du Dich mit dem Pferd in einem großen Areal aufhält. Das Pferd braucht Raum und Platz seine Füsse zu bewegen. Als Beutetier hat das Pferd eine Flucht - oder eine Kampfreaktion. Das bedeutete, dass es entweder vor der Gefahr davon läuft oder sich der Gefahr stellt und kämpft. Ein Pferd wird es immer bevorzugen vor der Gefahr wegzulaufen, als sie zu bekämpfen. Sollte ihm der Weg versperrt sein und es in die Enge getrieben wird, dann wird es alles tun, um zu überleben.

Wenn ein Fohlen geboren wird, hat ihn die Mutter Natur darauf vorprogrammiert, immer wenn es Gefahr wittert, sofort loszulaufen! Wenn das Pferd Gefahr hört, riecht sieht oder spürt heisst es nur : LAUF SO SCHNELL DU KANNST !!

Erstmal handeln und später denken. Deine Aufgabe ist es, dem Pferd zu helfen diesen extrem ausgeprägten Fluchtinstinkt zu minimieren. Um das zu trainieren, wendest Du die Methode Annäherung und Rückzug an. Wenn ein Pferd das Selbstvertrauen verliert und Angst zeigt, ist die wichtigste Sache von allen der Rückzug: Trete sofort zurück (also mit dem Pferd, lass es zurücktreten) von dem Objekt, das den Stress verursacht, und beende die Übung, die Du gerade ausführst, wenn Angst im Spiel ist. Für Menschen ist das beson- ders schwierig, denn es scheint nicht logisch zu sein. Wir wollen das Pferd doch ermutigen, wir wollen Druck ausüben, indem wir es zwingen, an etwas vorbeizugehen, vor dem es Angst hat oder das es extrem beunruhigt. Wir zwingen das Pferd, bis an das Ende der Klippe zu gehen. Aber die Angst wird dadurch nur intensiver.

Man sollte einfach mal bedenken, wie es sich anfühlt, wenn man selber zu etwas hingehen soll, vor dem man sehr viel Angst hat, und wie es sich anfühlt, wenn man sich dann wieder entfernt. Pferde verlieren das Selbstvertrauen in der ersten Phase, wenn die Angst aufkommt. Wenn du es verhindern kannst, dass das Pferd sein Selbstvertrauen verliert, dann reduzierst Du damit auch den Stress und verhinderst, dass die Angst hochkommt.

Wie wendet man das bei seinem Pferd an?

Nun, wenn es anfängt sich zu verspannen, den Kopf hochreißt, die Augen weit geöffnet sind, es sich verweigert, dann muss man sofort zurücktreten oder besser noch, sich ziemlich

weit von der Gefahrenstelle entfernen, aber noch so, dass das Pferd diese sehen kann. Wenn es Probleme mit Dir hat, wenn Du Dich ihm näherst, und deutliche Signale zeigt, dann heißt es für Dich: sofort vom Pferd zurücktreten – weit zurück oder gar komplett weggehen.


Hier herrscht dann ein hohes Vertrauensdefizit, das zuerst behoben werden muss, bevor man überhaupt etwas mit dem Pferd macht. Je nach Charaktereigenschaft des Pferdes kann das unterschiedlich lange dauern. Hier wendet man die Qualitative Zeit an ( die Beschreibung der qualitativen Zeit findest Du in einem eigenen Blog zu diesem Thema auf meiner Website), um dieses Problem zu lösen. Wenn das Pferd Probleme mit einem Objekt hat, entferne Dich mit dem Pferd von diesem Objekt so weit wie nötig und lasse es trotzdem in diese Richtung schauen. Mach mit ihm große Kreise um das Objekt herum. An dieser Stelle ist ganz wichtig, nicht einfach mit dem Pferd von dem Objekt wegzurennen, in die entgegengesetzte Richtung, sondern immer so, dass es das Objekt immer noch sehen kann und seine Nase immer noch zum Objekt hinzeigt. Wenn es mit etwas Probleme hat, das Du an ihm machen willst – z. B. scheren, Ohren anfassen, Hinterbeine heben etc. – bewege Dich auf das Pferd zu und wieder weg, darauf zu und wieder weg, immer weiter darauf zu und wieder weg etc., bis es sicher genug ist und Dir erlaubt, das zu tun, was Du tun wolltest.


Wenn das Pferd ruhiger ist, nachdem Du zurückgetreten bist, kannst Du Dich wieder annähern, aber erst, wenn das Pferd wirklich wieder ruhig ist, sonst wird es noch viel schlimmer, denn auf einmal, scheinbar ohne Grund, explodiert es förmlich. Die meisten Menschen sehen das leider nicht, wenn es Probleme mit einem hat, wenn Du Dich ihm näherst, und deutliche Signale zeigt, dann heißt es für Dich: sofort vom Pferd zurücktreten – weit zurück oder gar komplett weggehen.

Die meisten Menschen sehen das leider nicht kommen. Je mehr Du diese Signale übergehst, desto mehr zerstörst Du das Selbstvertrauen Deines Pferdes und das Vertrauen, das es in Dich haben sollte und das womöglich schon zu einem guten Teil besteht. Diese Sache zu meistern erfordert, dass Du das Problem erkennst, bevor Dein Pferd es spüren kann. Viele Menschen bekennen sich zu einer großen Angst vor Pferde. Diese Tiere sind nun mal sehr groß und viele Menschen haben Angst vor ihren Hufen und den Zähnen. Viele haben auch Angst vor schnellen Bewegungen und den Reaktionen der Pferde, sie interpretieren das dann oft als Nervosität. Angst ist im Allgemeinen die Folge von mangelndem Verständnis. Das Pferd hat nicht die Absicht jemanden zu verletzten, Pferde sind von Natur aus keine aggressiven Tiere. Es mag sehr wohl Situationen geben, in denen man vor einem Pferd Angst haben kann und sollte, diese stehen aber in Verbindung mit be- stimmten Umständen und Auslösern, die der Mensch kontrollieren bzw. unterlassen kann. Das muss man verstehen.


Wer ganz große Angst vor Pferden hat, dem würde ich zuerst empfehlen, die Pferde kennenzulernen und ihr Verhalten zu studieren. Zu meinen 1:1 Privatcoachings, dem Inner Circle, kommen viele Menschen, die Angst vor Pferden haben. Da arbeite ich dann gerne mit meinen Mini Shettys, denn die sind sehr gut dafür geeignet, Menschen die Angst vor Pferden zu nehmen. Erst später gehen wir dann zu den großen Pferden über. Das funktio- niert schrittweise und langsam. Je mehr man über die Natur des Pferdes weiß, desto größer werden Neugier und Vertrauen. Je weniger man über Pferde weiß oder wissen möchte, des- to größer werden Angst und Misstrauen sein. Oftmals denken Menschen, die Angst haben, dass der einzige Weg, diese Angst zu überwinden, darin bestehen würde, dem Angst- auslöser- in diesem Fall also dem Pferd – noch größere Angst einzujagen, aber mit dieser Strategie schafft man beim besten Willen kein Vertrauen. Pferde die falsch und schlecht behandelt wurden, vergessen das nie. Vertrauen zu schaffen ist ein Prozess. Manchmal dauert es lange, bis man Vertrauen aufgebaut hat. Wenn man sich aber die Hintergrundinformationen und das dazugehörige Wissen aneignet, dann wird man erstaunt sein, wie schnell es gehen kann. Das Wichtigste hierbei ist, die Körpersprache der Pferde zu erlernen.


FRUSTRATION UND ANGST BEGINNEN DA, WO WISSEN AUFHÖRT


Morgen machen wir weiter mit dem 2. Teil & die 2. Methode :

"Konditionierung auf Annäherung"


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